Ich habe bereits in einem alten
IJ Eintrag versprochen, den Film vorzustellen, sobald ich ihn gesehen habe.
+Worum geht's?+
Ein Zivi namens Sven wird eine Stelle im Ausschwitzmuseum zugeteilt. Er muss bei der Vorbereitung von Veranstaltungen für Schüler helfen und ist außerdem für Krzeminski zuständig, der Restauratorenarbeiten für die Ausstellung erledigt. Krzeminski ist anfangs abweisend und später erfährt Sven dann, dass er selbst Gefangener des Lagers war. Dann gibt es noch eine Liebesgeschichte mit der Dolmetscherin Ania, die Sven die Stadt Ausschwitz zeigt und die Nachgeborenenperspektive vertritt.
+Was war gut? Was war schlecht?+
Ich fange mit dem Schlechten an, obwohl man das ja eigentlich nicht sollte. Es fiel mir schwer, mich in Sven hineinzuversetzen, weil mir seine Figur viel zu nichtssagend war. Er ist nicht trottelig oder dumm, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass er je seine eigene Meinung vertreten oder starke Gefühle gezeigt hätte. Alles passiert ihm irgendwie, aber es hinterlässt keinen sichtbaren Eindruck.
Ich fand es schade, dass die Beziehung zu Ania eine Liebesbeziehung wurde. Offenbar geht es nicht anders, wenn ein Mann und eine Frau auf der Leinwand auftauchen. Nicht, dass ich die beiden als Paar nicht überzeugend fand, aber die Beziehung hat meines Erachtens eher etwas vom Film weggenommen, als eine interessante Facette hinzu zu fügen.
Wie der Titel schon sagt, beschäftigt sich der Film auch mit dem Auschwitztourismus. Es fängt sehr subtil an. Sven kommt vom Bahnhof (wobei schon das Geräusch der Züge eine bedrohliche Bedeutung annimmt) und wird mit dem Taxi zum Lager gefahren. Vor dem Lager steht ein "Herberge" Schild, überall sind Menschen in kurzen Hosen und T-Shirts und das Wetter ist so schön, dass die Sonne durch das Tor scheint.
Später werden dann auch Schülergruppen gezeigt, die durch das Museum laufen und dann an einer Diskussionsrunde/Gruppenarbeit teilnehmen, wo sie ihre stärksten Gefühle und Wünsche auf Karten schreiben sollen. Besonders diese Gruppenarbeit ist mir so richtig gegen den Strich gegangen. Ersteinmal ist schon diese Herangehensweise scheiße. Von wegen: Wie habt ihr euch denn gefühlt? Als ob es um die Gefühle der Nachgeborenen geht! Und diese ganzen vorgefertigten, nichtssagenden Antworten, die dann kamen. Ohne Reflektion, natürlich.
Ich fühle, also bin ich. Damit soll jetzt nicht der Film kritisiert werden, der diesen ganzen Unsinn sehr subtil darstellt und niemals sagt: Kuckt euch diesen Blödsinn mal an!
Es gibt noch einige andere Szenen dieser Art. Einmal sieht man, wie Kohlköpfe praktisch vor den Toren des Lagers verkauft werden. In einer anderen Szenen fahren Ania und Sven durch Ausschwitz 3 (für diejenigen, denen das was sagt) und Ania erklärt Sven, dass sämtliche Eigenheime dort stehen, wo früher die Barracken waren.
Ich habe mir von meiner Polnischlehrerin sagen lassen, dass es früher nicht so war. Selbst an das Hauptlager sind heute Eigenheime herangekrochen. Ich kann mir das echt nicht vorstellen. Wer will dort denn leben?
Die Darstellung der ambivalenten Beziehung zu den Deutschen hinterlässt ebenfalls Eindruck. Krzeminski macht sich mit Freunden darüber lustig, dass Sven keine Uhr hat ("Niemiec bez segarka!") und als Sven versucht Anias Bruder zu erklären, was er in Ausschwitz macht und sich der Bruder nichts unter Zivildienst vorstellen kann, verkundet er seinen Freunden, dass die deutsche Armee wieder in Auschwitz ist.
+Sehenswert oder zum Vergessen?+
Der Film leidet unter dem schwachen Protagonisten, um den sich zwar die Handlung dreht, der aber nie richtig agiert. Die Idee war sehr interessant, andererseits beutet der Film den Mythos Auschwitz genauso aus wie die Tourismusbewegung, die er kritisiert. Ich bereue den Kauf nicht, habe aber auch meine Probleme mit der Aussage, die der Film machen wollte.
Es kommt mir so vor, als ob Filme heute dafür gelobt werden, wenn sie keine Stellung beziehen und so allgemein wie möglich gehalten werden. Das Ergebnis ist dann leider die völlige Verweigerung einer Stellungnahme. Häufig heißt es dann, dass das Publikum selbst entscheiden sollte, aber es besteht ein Unterschied zwischen dem Vorkauen stumpfer Parolen und der stumpfen Meinungslosigkeit.
Dieses ewige Runterziehen auf die menschliche, gefühlsbetonte Perspektive lässt offenbar keinen Raum mehr für echte Meinungen. Und das ist schade.