"Dshamilja" von Tschingis Aitmatow. Wurde mir von meinem alten Deutschlehrbuch empfohlen. Eine 1958 geschriebene Novelle des Kirgisen Aitmatow. Spielt während des zweiten Weltkriegs in einer krigisischen Dorfgemeinschaft. Die Novelle war zusammen mit anderen Erzählungen in einem alten Band zusammengefasst, der noch zu DDR-Zeiten in den Siebzigern veröffentlicht wurde. Man hat die spezifischen moslemischen Bezeichnungen beibehalten, deshalb musste ich häufig hinten nachschlagen. Das hat mich bisweilen etwas gestört, aber gleichzeitig haben diese Namen auch in die fremde Kultur eingeführt. Die Geschichte ist so einfach erzählt, dass ich eigentlich nichts sagen will, nur: es geht um die Liebe.
"Tagebuch eines überflüssigen Menschen" von Iwan Turgenjew. Bis jetzt habe ich diese Novelle nur dem Titel nach gekannt, weil sie einem ganzem
Literaturtyp den Namen gegeben hat. Ich dachte immer, dass dieses Tagebuch tatsächlich wenig Inhalt hat und man sich durch hunderte Seiten inneren Monologs quälen müsste, ohne dass etwas passiert. Aber das ist nicht der Fall. Der Mann, der schreibt, hat nur noch einige Tage zu leben und beginnt dieses Tagebuch. Wieder eine tragische Liebesgeschichte, aber auch ein interessanter Einblick in das Leben des russischen Landadels.
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"Kleine Geschichte Russlands" von Hans-Heinrich Nolte erklärt vielleicht, warum ich in den letzten Wochen soviel russische Literatur gelesen habe. Von der Bundeszentrale für politische Bildung rausgegebenes kleines Büchlein (ca. 550 Seiten) über Russland. (4 €, zu beziehen über bpb.de)
Ich habe jetzt erst begriffen, was es mit den zwei Bezeichnungen "russkij" und "rossijkij" auf sich hat. "Rossijkij" kann man mit russländisch übersetzen (wie in Russländische Förderation) und drückt aus, dass es sich um russische Staatbürger handelt, die nicht unbedingt ethnische Russen sein müssen. Das Buch ist jedenfalls sehr interessant, auch gut geschrieben. Ab und zu gibt es kleine Minibiografien von bedeutenden (oder unbedeutenden) Russen. Ein paar Karten und Tabellen gibt es auch, allerdings leiden die unter dem kleinen Format des Buches und sind in schwarz-weiß, deshalb ein wenig unleserlich zum Teil.
Es geht auch um das Alltagsleben der Menschen (z.B. was ein Bauer im 19.Jahrhundert gegessen hat). Dabei werden aber nie nur irgendwelche Infos widergegeben, sondern alles schön in einen Zusammenhang gestellt. Gut geschrieben.
Zitat: "Vielleicht liegt der dauerhafteste Beitrag Russlands zur Weltgeschichte in dem Menschenbild seiner Literatur - im Bild Bulgakows von Voland, dem Meister und Margarita, wie sie über die Dächer des stalinistischen Moskau reiten; in der Klage Anna Achmatowas über jenen Helden des Jahres 1913, der durch seine Mutlosigkeit alles versäumte, und der Mahnung Tolstojs, jeder Gewalt zu entsagen.
Und eben jener Geschichte Turgenews vom Spatzen, die davon handelt, dass die Liebe stärker ist als der Tod."