mllesatine

October 2009

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Leseliste 2009 (hier tut sich hoffentlich noch viel)

"Alan's War: The Memories of G.I. Alan Cope" von Emmanuel Guibert - Graphic Novel, hat mir sehr gut gefallen. Die Zeichnungen sind eher einfach gehalten, aber der Mann kann gut erzählen.

"Denken Sie selbst! Sonst tun es andere für Sie" von Vince Ebert - nicht empfehlenswert! Meine Güte, was für ein Schmarrn. Ist so ein pseudowissenschaftliches Witzbuch, aber die Witze sind so abgedroschen, dass ich noch kein einziges Mal gelacht habe. Sowas wie: Dreijährige Kinder benutzen viel mehr Neuronen im Gehirn und können deshalb mühelos Sprachen lernen und Dreijährige polnische Kinder können mühelos ein umlackiertes Auto erschnüffeln! *schenkelklopf* Lustig, nicht?
Und dieses ganze Halbwissen, aus zusammengeklatschten Studien.

"A Companion to Wolves" von Elizabeth Bear und Sarah Monette - Fantasyroman, der mir von [info]frogspace empfohlen wurde, nachdem ich sie nach m/m Romanen gefragt hatte. [info]only_gremo hat es ebenfalls gelesen und eine Rezension geschrieben. Sie fragt ganz richtig: "Did it want to show me character development? Or maybe relationships in a wolf pack? Or a love story? A story of war?"
Es ist nicht ganz klar, was der Roman eigentlich wollte. Es geht um diese nordische Fantasywelt, wo Wölfe intelligente Wesen sind und Männer mit ihnen zusammen in Rudeln leben, um die Grenzen vor Trollen zu beschützen. Dann kommt es zu einem Krieg gegen die Trolle, den ich am interessantesten fand.
Ganz schlimm war das Cover, wo dieser nackte Männeroberkörper und ein halbes Gesicht zu sehen ist. Alles natürlich glatt rasiert, obwohl die Männer im Buch Bärte haben und sicher noch nicht auf die Idee gekommen sind, ihre Brusthaare wegzurasieren. Ich kann auf halbnackte Cover auch wirklich verzichten.

"Feet of Clay" von Terry Pratchett. Hat mir gefallen. Ein Mord geschieht in Ankh-Morpok und die "Nachtwache" muss ihn aufklären. Es geht um die Golems, die versuchen sich zu emanzipieren. Dafür müssen sie beweisen, dass sie überhaupt lebendig sind. Ich höre die Bücher auch in der völlig falschen Reihenfolge, aber das stört nicht.

"Jingo" von Terry Pratchett ist fertig. Ich mochte Carrot. Auch das Boot war gut. Eine Szene ist mir besonders getroffen. Es ging darum, warum Leute wie Lord Rust Kriege beginnen. Natürlich ist das ganze Buch eine Allegorie für den ersten Weltkrieg und diese Analyse klang sehr wahr und hat mich ganz schön deprimiert. In "Monstrous Regiment" ging mir der Vergleich mit den Jugoslawienkriegen ein bisschen auf die Nerven, weil ich mich damit natürlich auskenne und es mir so vorkam, als würde der Erzähler stark vereinfachen und manche Sachen einfach nicht kapieren. Es gab diese eine Anekdote über einen Streit zwischen irgendwelchen Baronen/Lords/Königen, der schon mehrere hundert Jahre zurückliegt, wo ein Baron die Oma des anderen beleidigt hat. Das bezog sich anscheinend auf die Amselfeldschlacht, nur dass es dabei nicht um irgendwelche Familienstreitigkeiten sondern um das Selbstverständnis eines Volkes bzw. einer Nation ging...
Es ist wahrscheinlich meistens so, dass man Pratchetts Bücher gut findet, wenn man nur ein wenig über die geschichtlichen Zusammenhänge weiß (WK I), wenn man aber mehr als der Durchschnittsbürger sagen kann, dann merkt man, dass er es sich manchmal reichlich einfach macht.
Damit will ich jetzt nicht sagen, dass "Jingo" schlecht war. Keinesfalls.

"Thud" von Terry Pratchett ist eine weitere Ankh-Morpok Geschichte im Dunstkreis der Nachtwache. Der Krieg zwischen den Trollen und Zwergen muss verhindert werden und dabei scheint ein berühmtes Bild, das auch noch gestohlen wurde, eine gewichtige Rolle zu spielen. Hier taucht auch zum ersten Mal der Vampir Sally in der Nachtwache auf, allerdings ist ihre Rolle dann doch eher unbedeutend. Ich hatte mir auch noch etwas mehr Einblick in die Beziehung von Carrot und Angua gewünscht, wurde aber enttäuscht. Und die Szene, wo Vimes seinem Sohn "Where is my cow?" vorliest ist herzzerreißend. War ein gutes Buch.

"Viva Polonia" von Steffen Möller ist meinen Erwartungen nicht gerecht geworden. Zuviel Pointentum, so wenig Substanz. Platte Witze über Frauen und Schwule tun ihr übriges. Ich hatte mir mehr erhofft und obwohl manche Anekdoten ganz interessant sind, leidet das Buch unter der Kapitelformat (von A wie Aberglaube bis Z wie Zeitzone), das zu wiederholenden Erklärungen zwingt. Wenn ich mich richtig erinnere, stammen einige Kapitel auch aus Zeitungskolummnen. Eine gründliche Überarbeitung hätte hier Not getan, um die Wiederholungen zu vermeiden. Steffen Möller ist mir in diesem Buch zu sehr Komiker; seine Anekdoten sind meistens auf die (platte) Pointe bedacht und so bleibt das Erzählerische auf der Strecke. Leider nicht zu empfehlen. Schade.

"Die Zollerklärung" von Bora Cosic musste ich für die Uni lesen. Bitterlich enttäuschend. Das Buch hat keine erkennbare Handlung und verstrickt sich über 150 lange Seiten in Metapher und anderes metaphysisches Geschwafel. Ich freue mich ja so darüber eine Hausarbeit schreiben zu dürfen. Wer dennoch etwas von Cosic lesen will, dem empfehle ich "Die Rolle meiner Familie in der Weltrevolution" (dürfte auch in so mancher Stadtbibliothek zu finden sein), das mir in guter Erinnerung geblieben ist. Dort geht es um eine kleine Belgrader Familie, die die Umwälzungen der Geschichte ab den 1940er mitmacht. Surreal und sehr komisch. Nehmt Abstand von der "Zollerklärung"!

"Die Geschichte des Rassismus" von Christian Geulen. Der Titel lässt bereits vermuten, dass es sich hier um eine allgemeine Einführung in die Materie handelt. Leider zwingt der Ansatz den Autor besonders den Rassismus im Altertum nur anzuschneiden, wobei sich dabei dann herausstellt, dass das kein systematischer Rassismus war. Gut gefallen hat mir definitiv, dass man viel Geschichte der Neuzeit eben im Zusammenhang betrachtet. Besonders interessant fand ich dabei die Kolonisation und der Rassismus im ersten Weltkrieg. Auch den Konflikt des kalten Krieges und Eugenik und Genetik werden so in ein anderes Licht gerückt. Das Buch hat knapp 200 Seiten und liest sich flott. Die Einleitung kann man sich dabei schenken (oder vielleicht am Schluss lesen?). Empfehlenswert.

"Asche und Diamant" von Jerzy Andrzejewski. Über den Bürgerkrieg zwischen Polen und der Sowjetunion 1945, über die Enttäuschung nach dem Ende des Weltkrieges, über Kommunisten und Partisanen.

"Einsatz am Hindukusch" von Britta Petersen. Reportage über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Angelesen.

"Dshamilja" von Tschingis Aitmatow. Wurde mir von meinem alten Deutschlehrbuch empfohlen. Eine 1958 geschriebene Novelle des Kirgisen Aitmatow. Spielt während des zweiten Weltkriegs in einer krigisischen Dorfgemeinschaft. Die Novelle war zusammen mit anderen Erzählungen in einem alten Band zusammengefasst, der noch zu DDR-Zeiten in den Siebzigern veröffentlicht wurde. Man hat die spezifischen moslemischen Namen beibehalten, deshalb musste ich häufig hinten nachschlagen. Das hat mich bisweilen etwas gestört, aber gleichzeitig haben diese Namen auch in die fremde Kultur eingeführt. Die Geschichte ist so einfach erzählt, dass ich eigentlich nichts sagen will, nur: es geht um die Liebe.

"Tagebuch eines überflüssigen Menschen" von Iwan Turgenjew. Bis jetzt habe ich diese Novelle nur dem Titel nach gekannt, weil sie einer ganze Literaturgattung den Namen gegeben hat. Ich dachte immer, dass dieses Tagebuch tatsächlich wenig Inhalt hat und man sich durch hunderte Seiten inneren Monologs quälen müsste, aber das passiert nicht. Der Mann, der schreibt, hat nur noch einige Tage zu leben und beginnt dieses Tagebuch. Wieder eine tragische Liebesgeschichte, aber auch ein interessanter Einblick in das Leben des russischen Landadels.

Comments

Jan. 20th, 2009 05:04 pm (UTC)
Das zweite Buch klingt furchtbar. Und rassistisch.

Hast du schon viel Scheibenwelt gelesen? Kann sein dass ein älteres Buch wie Jingo dich jetzt ein bisschen entäuscht. Nicht dass es schlecht wäre, aber die späteren Bücher sind einfach viel besser, und die verschiedenen Charaktere sind viel "eingelebter".
Jan. 21st, 2009 04:12 am (UTC)
Ich habe die, die sich um Feucht von Lipwig und Tiffany Weh drehen, schon gelesen. Angefangen habe ich auch wirklich mit "Ab die Post" und "Kleine freie Männer".

Bis jetzt wurde ich von den etwas älteren Romanen noch nicht enttäuscht. Allerdings habe ich die gaaanz alten auch noch nicht gelesen/gehört.

Dieser Vince Eber ist wirklich grausig. Ich habe das Buch von einer Freundin geschenkt bekommen und habe mich irgendwie verpflichtet gefühlt, es zu lesen. Die Freundin hat es auch noch nicht gelesen und sich von diesem Eckard von Hirschhausen zum Kauf verleiten lassen.

Mar. 2nd, 2009 12:42 am (UTC)
Hast du Small Gods gelesen? Wenn nicht: Empfehlenswert, ungemein.
Mar. 5th, 2009 06:08 pm (UTC)
Das ist über die omnische Religion, oder? Nein, habe ich noch nicht. Ich merk es mir mal vor.